Max Peintner -- Caspar und ich, das sind viele

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Max Peintner
Caspar und ich, das sind viele
16/09/2009 - 07/11/2009

Der studierte Architekt Max Peintner, 1937 in Hall in Tirol geboren, wurde zu Beginn der  1970er Jahre mit sarkastischen zivilisationskritischen Zeichnungen bekannt. In ihrer  bösartigen Schärfe gelten seine Technikvisionen, Seilbahnen oder Autobahntrassen heute  noch als Ikonen der österreichischen Umweltbewegung. Eine Augenerkrankung gab den  Ausschlag, sich ab Mitte der 70er Jahre mit dem Prozess des Sehens selbst  auseinanderzusetzen. Peintner zeichnete, was jeder kennt und für gewöhnlich nicht der Rede wert findet, Nachbilder zum Beispiel, wie sie einem bleiben, wenn man versehentlich in grelles Licht geschaut hat. „Für ihn ist die gezeichnete Selbstwahrnehmung  angemessenes Ausdrucksmittel zur Darstellung der wahrgenommenen Umwelt, wie sie im Kopf entsteht. Seine Kunst gilt dem Versuch, analytisch die Gefühle und Sensationen des Ichs in Form einer Abbildfunktion dieses Ichs zu zeigen“ (Peter Weibel). 

Max Peintner zeigte seine ersten Wahrnehmungsbilder 1977 auf der Documenta 6  in Kassel, 1986 vertrat er Österreich auf der Biennale Venedig. 2000 widmete ihm die  Neue Galerie Graz eine umfassende Retrospektive, dies war zugleich seine letzte Einzelausstellung.

In einem achtjährigen unermüdlichen Forschungsprozess hat sich Peintner nun mit  Blickwinkel, Sujets und Brüchen in den Werken von Caspar David Friedrich auseinandergesetzt und für die Räumlichkeiten von Georg Kargl Fine Arts eine Präsentation geschaffen, die den Weg von den ersten Entwürfen bis zu den ausgeführten Farbkreidezeichnungen skizziert. Peintners Beschäftigung mit Friedrich entwickelt sich unmittelbar aus seinen Wahrnehmungsselbstversuchen.    

„Ich hatte bemerkt, dass das Flackern in der Dämmerung die Tiefenstaffelung der  Neuronen widerspiegelt, die gerade im Sehzentrum feuern und damit ein konkretes Gerüst sichtbar werden lässt, an dem die Räumlichkeit festgemacht ist. Bei Friedrich ist, durch die Luftperpektive verdeckt gewissermaßen, häufig eine solche Binnenstruktur des Raumes zu spüren, seine Geometrie ist manchmal bis auf den bloßen Horizont zurückgenommen, der Fluchtpunkt, wenn es einen gibt, durch einen Strahlenfächer wie durch ein Rufzeichen besonders markiert.“    

Landschaftsbilder seien als traumhafte Visionen zu deuten und lassen auf das Wesen des Träumenden schließen, meint der Tiroler Künstler und erklärt so seine Faszination mit einem der bedeutendsten Landschaftsmaler der Romantik. Peintner übernimmt Friedrichs  Naturdarstellungen, die oft von einem metaphysisch-transzendenten Charakter beseelt sind; er beschäftigt sich intensiv mit Sujet und Materialität und provoziert durch die Kombination mit vielfältigen kunsthistorischen Verweisen. Mit einem herausfordernden „Porno ist out, Religion ist in“ nimmt der Künstler auf die religiöse Komponente in Friedrichs Werken Bezug, ohne auf eine subtile Ironie zu verzichten. Nach Friedrichs Ansicht ist das Naturerlebnis ein sehr persönliches mystisch-religiöses Ereignis - für ihn stellt der Glaube, genauso unerschütterlich wie ein gewaltiger Fels, das geistige Fundament eines Menschen dar. So findet der Betrachter die Menschen auf Friedrichs Bildern meist in sich ruhend, beeindruckt von dem Naturschauspiel und in gutbürgerlicher Kleidung auf einer Felskuppe stehend vor. Bei Caspar David Friedrich werden bald die Rückenfiguren zentral, in denen man oft den Künstler selbst wiedererkennt. Auf die Selbstdarstellung greift Max Peintner ebenso seit den 80er Jahren als eines seiner wesentlichen Motive zurück und verbindet dies stets mit Phänomenen der Wahrnehmung und ihrer Sichtbarmachung. Max Peintner ertappt sich dabei, Caspar David Friedrich in Gestalt dieses passiven Betrachters für eigene Anliegen zu instrumentalisieren. Der Wanderer wird als  Transportmittel für eigene Erlebnisse verwendet und macht so naturgemäß anhand der Folgen des zivilisationstechnischen Fortschritts - wie Flugzeuge und deren Kondensstreifen am Horizont - auch auf Natur- und Umweltzerstörung aufmerksam. Peintner zeigt uns die Welt beobachterabhängig und -zentriert. Er betont, dass die Selbstbeobachtung nur Reflexion der Betrachtung selbst ist. In seinen absurden Naturkompositionen und Wahrnehmungsbildern demonstriert er, wie wir die Wirklichkeit wirklich sehen, nämlich mit dem Auge eines Beobachters, der subjektive Defekte hat und der ein interner Beobachter der Welt ist.